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Die Geschichte des Keyboards

1950 Die Geschichte des Keyboards beginnt mit der elektronischen Orgel. Einen legendären Weltruf erreichten bereits in den 50er und 60er Jahren die Hammond-Orgeln, wahre Möbelstück-Ungetüme, zu deren Transport man einen kleinen Lastwagen benötigte. Trotzdem waren sie seinerzeit fester Bestandteil der Rock- und Popszene und fanden auch im Jazzbereich ihren Platz. Diese elektronischen Orgeln wiesen meist 2 Manuale auf, sowie ein Fußpedal mit 1 bis 2 Oktaven Umfang. Die Lautstärke wurde mit einem eingebauten Fußschweller-Pedal reguliert. Die Klangerzeugung beruhte auf Analogsynthese und bot durch ein verstellbares Zugriegelsystem bereits eine beachtliche Vielfalt an Klangmöglichkeiten. International bekannte Orgelhersteller waren die italienischen Firmen Farfisa und Viscount, in Deutschland machten sich vor allem die Firmen Dr. Böhm und Wersi einen Namen, deren Instrumente bis in den 80er Jahren auf Konzerten und Tourneen bekannter Künstler verwendet wurden, da sie einigermaßen transportabel waren.  
  Hammond B3
1970 Anfang der 70er Jahre wurden die ersten Rhythmusgeräte entwickelt, die allerdings mit den heutigen Begleitsektionen moderner Keyboards noch nicht viel gemein hatten. Es gab sie zunächst in Form von kleinen Modulen, die 3 bis 4 einfachste Schlagzeugbegleitungen mit einer Start-/Stopp-Funktion erzeugen konnten. Dr. Böhm ließ sich 1968 den „Böhmat“ patentieren, eine Einfinger-Begleitautomatik, die allerdings auf der Orgelrückseite viel Platz beanspruchte. Der Böhmat bot etwa 30 bis 40 Rhythmen, Wechselbässe, Akkorde und Arpeggien. Von Lowry gab es die Orgel M1 sogar mit arrangierten Bläsereinwürfen. Durch diese Entwicklungen veränderte sich die musikalische Ausrichtung der Orgel von ursprünglich eher sakraler Musik hin zu moderner Unterhaltungsmusik.
  Der Hauptnachteil dieser Instrumente lag allerdings nach wie vor in ihrem Gewicht von meist mehr als 35 bis zu 150 kg. Trotz abnehmbarem Oberteil gab es immer noch ein Transportproblem.  Außerdem waren die Geräte sehr teuer, selbst wenn sie als Selbstausatz vor allem von Dr. Böhm und Wersi angeboten wurden. Dabei war der Eigenbau derartig aufwändig und kompliziert, dass er vielfach nicht bewältigt wurde. Trotzdem war die elektronische Orgel bis weit in die 80er Jahre hinein aus der Live-Musik nicht wegzudenken.
1980 Etwa ab 1980 begannen verschiedene Firmen jedoch mit der Entwicklung von Alternativen. Unter dem Sammelbegriff „Portable Keyboard“ kamen die ersten Instrumente von Casio und Yamaha auf den Markt, teilweise anfangs noch mit separater Begleit-Sektion. Viele Orgelspieler, denen das Spiel auf 3 Manualen ohnehin zu schwierig war, nahmen die neue Instrumentengeneration dankbar an. An Klangspektum boten die Keyboards genauso viel, waren aber deutlich preiswerter.  Dadurch konnte auch ein breiteres Publikum an die Musik auf diesen Instrumenten herangeführt werden. Es dauerte jedoch noch eine geraume Zeit, bis die „Home-Keyboards“ die elektronischen Orgeln aus den Wohnzimmern endgültig verdrängten.
  Die interessantesten Geräte wurden zunächst von Yamaha unter dem Namen „PortaTone“ entwickelt. Es handelte sich um batteriebetriebene Mono-Geräte mit kleinen Tasten, deren Tonerzeugung auf einer abgespeckten Analogsynthese beruhte. Das klangliche Spektrum war sehr einfach, wurde aber ständig weiterentwickelt. So gab es Mitte der 80er Jahre bereits PCM-Klänge beim Schlagzeug. Erste bedeutende Konkurrenz bekam Yamaha durch das KB-500 von JVC. Dieses wies Stereoklang sowie eine Begleitautomatik mit festen Rhythmen und einen 2-Spur-Sequencer auf und hatte einen deutlich verbesserten Klang, darunter auch eine erstaunlich gute Hammondorgel-Kopie. Doch JVC konnte seinen Erfolg in der Szene der Keyboardhersteller nicht aufrecht erhalten, und so setzte wiederum Yamaha mit der PSR-Serie einen neuen Meilenstein. Die neuen Geräte verfügten über eine FM-Synthese, die von Yamaha im Synthesizer-Bereich entwickelt wurde. Es gab mehr Begleitrhythmen und einen Sequencer, dessen Inhalt allerdings noch nicht speicherbar war. Erst das Top-Modell PSR 6300 hatte einen Schacht für eine Speicherkarte.
  Yamaha PSR-6300
1988 Konkurrenz entwickelte sich etwa ab 1988 mit den Modellen AX5 und AX7  von Technics, Home-Keyboards mit integrierten Synthesizer-Funktionen, kurz darauf erschienen die ersten Digitalkeyboards mit PCM-Tonerzeugung von Technics, die Modelle K500 und K700. Diese Geräte hatten besondere Hintergrundmusik wie Meeresrauschen oder Kirchenglocken zu bieten. Einen großen Durchbruch landete Technics im folgenden Jahr mit dem SX-KN800, begünstigt einerseits durch weniger technische Neuerungen bei Yamaha, andererseits interessante Features wie ein großes und übersichtliches LCD-Display, ein Diskettenlaufwerk und selbst zu bearbeitende Begleitrhythmen. Die Firma Solton  brachte 1990 mit dem MS5 das erste Portable Keyboard heraus.
  Technics SX-KN800
  1988 stieg auch die Firma Roland in den Keyboard-Markt ein. Sie hatte mit dem Modell E-20 großen Erfolg, das über ein integriertes Digital-Hallgerät verfügte, sowie aus separaten Speicherkarten zusätzliche Begleitrhythmen einlesen konnte. Die Tonerzeugung beruhte auf der von Roland entwickelten LA-Synthese, die später auch von anderen Herstellern übernommen wurden. Speicherplatz war zu dieser Zeit noch enorm teuer, daher daher wurden lediglich die Einschwingvorgänge der einzelnen Klänge digital gespeichert, während der eigentliche Klang mittels FM-Synthese erzeugt wurde. Erst viel später kam Roland mit Ausstattungsmerkmalen wie einem Diskettenlaufwerk oder bearbeitbaren Begleitrhythmen heraus, wie beim Modell E-86. Dieses Instrument verfügte zudem über einen MIDI-File-Player und hatte eine weiter entwickelte Begleitautomatik, die Bassumkehrungen spielen konnte. Bei allen Herstellern hatte nun mittlerweile die Digitaltechnik Einzug gehalten.
  Roland E-20
1990 Während noch in den 80er Jahren alle Keyboards eher für den japanischen oder englischsprachigen Raum entwickelt wurden, kam 1990 Yamaha mit dem PSR-4600 heraus, dessen Begleitrhythmen nach mitteleuropäischen Vorstellungen konzipiert waren. Daraus entwickelte sich ein Trend, in den auch Hersteller wie Solton mit dem 1992 gefertigten MS-50 einstiegen. Die Firma GEM hatte das Modell WS-2 zwar bereits 1989 auf den Markt gebracht, gefolgt 1992 vom WX-2, das über einen integrierten Sampler verfügte. Richtig durchsetzen konnte sich GEM aber erste mit seiner „Worldkeyboard“-Reihe etwa ab 1994. In diesem Jahr drängte auch Korg auf den Keyboard-Markt. Das Modell i3 wurde zu einem einmaligen Erfolg, vor allem für Tanz- und Unterhaltungsmusiker.
  Korg i3
2000 Aus den Synthesizer-Workstations zweigte sich auch im Keyboard-Bereich eine Linie ohne eingebaute Lautsprecher ab. So präsentierte Roland mit dem G-800 ein Instrument ohne Lautsprecher, jedoch mit Begleitautomatik („Arranger“) und 76 Tasten. Casio versuchte mit seinen Leuchttasten-Keyboards und vorprogrammierten Songs Einsteigern das Keyboardspiel ohne Notenkenntnisse zu vermitteln. Grundlegende Neuigkeiten waren Ende der 90er Jahre allerdings nicht mehr zu vermerken, vielmehr gab es Weiterentwicklungen mehr im internen Bereich, wie bei den Speichermedien, für die nun auch aufgrund der fallenden Preise Festplatten- oder ZIP-Laufwerke verwendet wurden. Roland und Yamaha konnten durch die konsequente Weiterentwicklung ihrer Synthesizer-Produktlinien immer besser und interessanter klingende Modelle anbieten.
2005 Aktuell gibt es einige neue Bedienkonzepte. So finden sich berührungsempfindliche Displays, sodass die Geräte mit wesentlich weniger Schaltern und Knöpfen auskommen. Roland bietet mit dem D-Beam-Controller ein publikumswirksames Infrarot-Feature, mit dem sich die verschiedensten Dinge steuern lassen. Technics verbaut riesige Farbdisplays und GEM-Keyboards sind mit intuitiv zu bedienenden Schiebereglern ausgestattet. Von Korg gibt es Geräte mit 2 Sequencern, Yamaha bietet eine überragende Vielfalt an Sounds, Effekten und Begleitrhythmen. Casio, bisher eher im Einsteiger-Bereich angesiedelt, drängt nun mit neuen Modellen auch auf höhere Bereiche. Selbst die Firma Hammond, in früheren Zeiten maßgeblich an der Entwicklung der elektronischen Orgel beteiligt, baut jetzt eine komplette Keyboard-Workstation, natürlich mit den berühmten Zugriegel-Orgelklängen.
  Alles in allem hat sich der Keyboardbereich zu einer wichtigen Instrumentengattung entwickelt und bietet heutzutage Möglichkeiten, von denen vor 30 oder 20 Jahren noch niemand zu träumen gewagt hätte.